Die Sechs-Phasen-Tabelle erklärt
Die Sechs-Phasen-Tabelle ist das Kernstück der Homotoxikologie: ein Schema, das Krankheitsverläufe in sechs Stufen von der harmlosen Ausscheidung bis zur schweren Gewebeveränderung ordnet. Sie ist ein Ordnungsmodell und kein diagnostisches Werkzeug.
Stand: 26. Juli 2026 · Informationen ohne Heilversprechen, kein Ersatz für ärztlichen Rat
Der Aufbau des Schemas
Das Modell ordnet Krankheitszustände entlang zweier Achsen: Gewebearten in der einen Richtung, Phasen zunehmender Schwere in der anderen. In den Feldern stehen Krankheitsbezeichnungen, die dieser Kombination zugeordnet werden.
Die sechs Phasen sind:
- Ausscheidungsphase – der Körper gibt Stoffe über natürliche Wege ab
- Reaktionsphase – entzündliche Reaktion, in diesem Modell als Steigerung der Abwehr gedeutet
- Depositionsphase – Einlagerung von Stoffen ins Gewebe
- Imprägnationsphase – Stoffe wirken auf Zellstrukturen ein
- Degenerationsphase – Gewebe wird geschädigt
- Neoplasmaphase – Zellwucherung
Zwischen Phase 3 und 4 zieht das Modell eine Grenze, den sogenannten biologischen Schnitt: Davor gelten Prozesse als umkehrbar, danach als zunehmend fixiert.
Was das Modell leisten sollte
Die Idee war, Krankheiten nicht als isolierte Ereignisse zu sehen, sondern als Stationen eines Verlaufs, in dem der Körper mit Belastungen umgeht. Aus der zugeordneten Phase sollte sich die Therapie ableiten lassen, üblicherweise mit homöopathischen Komplexmitteln.
Innerhalb des Modells ist das schlüssig aufgebaut. Es ordnet Beobachtungen und gibt Handlungsanweisungen.
Zum Einordnen: Der entscheidende Einwand ist nicht, dass das Schema falsch zugeordnet hätte. Er ist, dass sich die Zuordnung nicht überprüfen lässt. Es gibt keinen Test für eine Imprägnationsphase. Ein Modell, das aus sich selbst heraus bestimmt, in welcher Stufe jemand steht, kann nicht widerlegt werden – und ist damit nicht überprüfbar im wissenschaftlichen Sinn.
Wo das Modell praktisch problematisch wird
Zwei Punkte sind hier relevant, und sie betreffen nicht die Theorie, sondern den Umgang mit kranken Menschen.
Erstens die Deutung von Symptomen als sinnvolle Abwehr. Wenn Entzündung grundsätzlich als Steigerung der Abwehr gilt, verschiebt sich die Schwelle, ab der eine Abklärung nötig erscheint. Fieber, Schmerz und Schwellung sind manchmal harmlos und manchmal Zeichen einer behandlungsbedürftigen Erkrankung – die Unterscheidung leistet das Modell nicht.
Zweitens die Einordnung schwerer Erkrankungen als späte Phasen desselben Kontinuums. Krebserkrankungen entstehen nicht als Endstufe einer Belastungskette, und ihre Behandlung folgt anderen Prinzipien.
Warum es hier steht
Diese Tabelle ist der historische Kern des Begriffs, der dieser Domain ihren Namen gab. Sie sachlich zu beschreiben, ist sinnvoller, als sie zu übergehen – und sinnvoller, als sie nachzuerzählen, wie es die Anwendungsliteratur tut.
Häufige Fragen
Was sind die sechs Phasen?
In der Reihenfolge des Modells: Ausscheidungsphase, Reaktionsphase, Depositionsphase, Imprägnationsphase, Degenerationsphase und Neoplasmaphase. Das Modell beschreibt eine zunehmende Schwere, wobei die Grenze nach der Depositionsphase als besonders bedeutsam gilt.
Lässt sich die Phase messen?
Nein. Es gibt kein Laborverfahren und keinen Test, mit dem eine dieser Phasen bestimmt wird. Die Zuordnung erfolgt durch Interpretation von Symptomen anhand des Modells selbst.
Ist das Modell in der Medizin anerkannt?
Nein. Die Sechs-Phasen-Tabelle ist kein Teil der medizinischen Krankheitslehre. Sie beschreibt keine unabhängig überprüfbaren Vorgänge und wird in Diagnostik und Therapie nicht verwendet.
Quellen
- Medizinhistorische Literatur zur Homotoxikologie und ihrer Systematik
- Physiologische und pathologische Standardliteratur zu Entzündungs- und Krankheitsverläufen
- Systematische Übersichtsarbeiten zu homöopathischen Komplexmitteln
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