Schüßler-Salze: System, Anwendung, Einordnung
Schüßler-Salze sind ein eigenes Ordnungssystem: zwölf Basissalze plus Ergänzungsmittel, jedes mit einer festen Nummer und einem zugeschriebenen Funktionsbereich. Das System ist über 150 Jahre alt, weit verbreitet – und beruht auf einer Krankheitslehre, die die Physiologie nicht bestätigt hat.
Redaktion homotox.de · Stand:
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Das System hinter den Nummern
Das System geht auf den homöopathischen Arzt Wilhelm Heinrich Schüßler zurück, der im 19. Jahrhundert praktizierte. Er ging von der Annahme aus, dass Krankheiten auf Störungen im Mineralstoffhaushalt der Zellen zurückgehen. Er reduzierte die Therapie auf zwölf Salze, die er in potenzierter Form gab – jedes zuständig für bestimmte Gewebe und Funktionen. Sein eigener Name für das Verfahren war nicht Homöopathie, sondern Biochemie: die Lehre von den Funktionsmitteln der Körperzelle. Man findet es deshalb bis heute als „Biochemie nach Dr. Schüßler” bezeichnet. Später wurden Ergänzungsmittel hinzugefügt, sodass heute meist von den 12 Basissalzen und weiteren Ergänzungssalzen die Rede ist.
Zur Schreibweise: Korrekt ist Schüßler, nach dem Namen des Begründers. Im Handel und in Suchanfragen ist Schüssler-Salze mit Doppel-s mindestens ebenso verbreitet, oft auch Schüssler Salze ohne Bindestrich. Gemeint ist immer dasselbe System.
Die Nummerierung ist der praktische Kern. Wer eine Packung kauft, kauft eine Nummer – Schüßler-Salz Nr. 7 etwa steht für Magnesium phosphoricum –, und die Nummer trägt die traditionelle Zuordnung. Die zwölf Basissalze verteilen sich in dieser Systematik auf die großen Gewebegruppen: an Knochen und Zähnen, an Schleimhäuten und Drüsen, auf Nerven- und Gehirnzellen sowie auf das Bindegewebe.
Die 12 Basissalze
Die folgende Liste gibt die Bezeichnungen und die in der Anwendungsliteratur überlieferten Zuordnungen wieder. Sie beschreibt die Systematik ihres Erfinders, keine geprüften Wirkungen.
| Nr. | Salz | Übliche Zuordnung |
|---|---|---|
| 1 | Calcium fluoratum | Bindegewebe, Haut, Zahnschmelz |
| 2 | Calcium phosphoricum | Knochen, Zähne, Aufbau |
| 3 | Ferrum phosphoricum | Erste Phase akuter Beschwerden |
| 4 | Kalium chloratum | Schleimhäute, zweite Phase |
| 5 | Kalium phosphoricum | Nerven, Erschöpfung |
| 6 | Kalium sulfuricum | Ausscheidung, Haut |
| 7 | Magnesium phosphoricum | Krampfartige Zustände |
| 8 | Natrium chloratum | Flüssigkeitshaushalt, Mundschleimhaut |
| 9 | Natrium phosphoricum | Säure-Basen-Thema, Haut |
| 10 | Natrium sulfuricum | Ausscheidung, Leber und Galle |
| 11 | Silicea | Bindegewebe, Haare, Nägel |
| 12 | Calcium sulfuricum | Abheilung, Eiterprozesse |
Silicea ist dabei nichts anderes als Kieselsäure, Natrium chloratum nichts anderes als Kochsalz – jeweils in potenzierter Form. Die Ergänzungssalze ab Nummer 13 stammen nicht von Schüßler selbst, sondern wurden später hinzugefügt; im Handel sind heute meist um zwei Dutzend Nummern.
Wer sich die Liste ansieht, erkennt das Bauprinzip: Es sind durchweg einfache anorganische Verbindungen aus Mineralstoffen, die im Körper tatsächlich vorkommen. Genau diese Plausibilität macht das System bis heute attraktiv – und sie ist der Grund, warum die Verwechslung mit einer Mineralstoffzufuhr so hartnäckig ist.
Was aus heutiger Sicht dagegen steht
Die zugrunde liegende Annahme – Mineralstoffmangel in der Zelle als gemeinsame Ursache von Krankheiten – entspricht nicht dem heutigen physiologischen Verständnis. Dazu kommt das Dosisproblem: Durch die Potenzierung sind die Salze so stark verdünnt, dass die zugeführte Menge weit unter der ernährungsphysiologischen Relevanz liegt. Ein tatsächlicher Mangel lässt sich damit nicht ausgleichen.
Die Wirksamkeit der 12 Schüßler-Salze ist wissenschaftlich nicht belegt: Es existieren keine belastbaren klinischen Studien, die eine Wirkung über Placebo zeigen. Rechtlich sind sie als homöopathische Arzneimittel registriert und benötigen daher keinen Wirksamkeitsnachweis – die Registrierung prüft Qualität und Unbedenklichkeit, nicht Wirksamkeit. Anders als in der klassischen Homöopathie entfällt dabei auch die individuelle Mittelwahl: Die Zuordnung steht mit der Nummer fest.
Zum Einordnen: Der häufigste Irrtum in diesem Bereich ist die Verwechslung von Schüßler-Salzen mit Mineralstoffpräparaten. Beides klingt gleich und ist es nicht: Nr. 7 ist keine Magnesiumzufuhr. Wer Magnesium braucht, braucht Magnesium in wirksamer Menge.
Potenzen: was D6 und D12 bedeuten
Die Angabe hinter dem Salznamen gibt den Verdünnungsgrad an. D6 bedeutet sechs Verdünnungsschritte im Verhältnis 1 zu 10, also eine Verdünnung auf ein Millionstel; D12 entsprechend auf ein Billionstel. Die meisten Basissalze werden in D6 angeboten, Calcium fluoratum, Silicea und Ferrum phosphoricum traditionell in D12.
Eine Begründung aus der Pharmakologie gibt es für diese Zuordnung nicht. Sie folgt der Überlieferung, und sie ist der Grund, warum die Frage nach der „richtigen” Potenz sich sachlich nicht beantworten lässt.
Einnahme und Dosierung
Tabletten sind der Standard. Sie sollen einzeln im Mund langsam zergehen und nicht geschluckt werden – der Wirkstoff wird nach der Vorstellung des Systems über die Mundschleimhaut aufgenommen, noch bevor er den Magen erreicht. Übliche Angaben liegen bei ein bis drei Tabletten mehrmals täglich; bei akuten Anlässen werden kürzere Abstände empfohlen. Der Begriff Wirkstoff ist hier arzneimittelrechtlich korrekt und pharmakologisch missverständlich: Er bezeichnet den Ausgangsstoff der Potenzierung, nicht eine in wirksamer Menge vorliegende Substanz.
Die Einnahme von Schüßler Salzen erfolgt in aller Regel in Selbstmedikation, ohne ärztliche Verordnung. Das ist bequem und der Punkt, an dem die eigentliche Vorsicht ansetzt – siehe den letzten Abschnitt.
Tropfen sind die Alternative bei Laktoseintoleranz, enthalten aber meist Alkohol.
Globuli werden von einzelnen Herstellern angeboten und sind vor allem für Kinder gedacht. Tabletten und Globuli unterscheiden sich nur im Trägerstoff, nicht in der Potenz.
Salben und Cremes gibt es zu mehreren Nummern für die äußerliche Anwendung, häufig zu Nr. 1, 3, 8 und 11.
Eine verbreitete Anwendungsform ist die sogenannte Heiße Sieben: Magnesium phosphoricum in heißem Wasser aufgelöst und schluckweise getrunken. Auch hier gilt: Die Zubereitung ist traditionell festgelegt, nicht studienbasiert.
Für die Auswahl der passenden Nummer nutzen Anwender und Heilpraktiker teilweise die Antlitzanalyse, ein von Kurt Hickethier entwickeltes Verfahren, das aus Merkmalen im Gesicht auf einen Mineralstoffbedarf schließen soll. Eine überprüfbare Grundlage dafür existiert nicht.
Mehrere Salze kombinieren
In der Anwendungsliteratur ist die Kombination die Regel, nicht die Ausnahme: Zu den meisten Anliegen werden zwei bis vier Nummern gleichzeitig genannt, häufig mit einer Rollenverteilung – ein Salz für die akute Phase, ein zweites für den weiteren Verlauf, ein drittes als Ergänzungsmittel. Die klassische Kur über mehrere Wochen kombiniert typischerweise die einzelnen Salze Nr. 3, 8 und 11.
Diese Zusammenstellungen stammen aus der Tradition, nicht aus Vergleichsstudien. Eine obere Grenze für die Zahl kombinierter Mittel nennt die Literatur nicht; praktisch begrenzt wird sie durch die Tablettenzahl pro Tag und den darin enthaltenen Milchzucker. Wer eine solche Kombination biochemisch begründet sieht, sollte im Blick behalten, dass „Biochemie” hier ein historischer Eigenname ist und nicht das gleichnamige Fach meint.
Kaufen: Hersteller, Packungen, Kosten
Schüßler-Salze sind apothekenpflichtig, aber nicht verschreibungspflichtig. Sie sind in der Apotheke vor Ort, in jeder Online Apotheke und in Drogeriemärkten mit Apothekenkooperation erhältlich. Die bekanntesten Anbieter sind DHU und Pflüger, daneben stehen mehrere kleinere Hersteller und Eigenmarken.
Praktisch relevant beim Vergleich:
- Packungsgrößen. Üblich sind 80, 200, 400 und 1000 Tabletten. Bei einer Kur über Wochen mit mehreren Nummern summiert sich das schnell, weshalb der Grundpreis je 100 Tabletten die aussagekräftigere Größe ist.
- Hilfsstoffe. Milchzucker ist Standard, laktosefreie Varianten sind die Ausnahme und meist teurer.
- Kombipackungen und Kuren. Sets aus mehreren Nummern sind bequem und selten günstiger als die Einzelpackungen.
Preislich liegen Schüßler-Salze im unteren Bereich dessen, was in der Apotheke angeboten wird – das ist ein Grund für ihre Verbreitung. Der Kostenpunkt entsteht nicht bei der einzelnen Packung, sondern bei der Dauer: Eine Kur mit drei Nummern über acht Wochen bedeutet mehrere hundert Tabletten. Wer vergleicht, rechnet deshalb den Preis je 100 Tabletten und multipliziert ihn mit der geplanten Anwendungsdauer, statt auf den Packungspreis zu schauen.
Die praktisch wichtigste Grenze
Weil Schüßler-Salze als nebenwirkungsarm gelten, werden sie oft über längere Zeiträume und bei unklaren Beschwerden eingesetzt. Genau darin liegt das Risiko: Anhaltende Müdigkeit, wiederkehrende Beschwerden, Hautveränderungen, die nicht abheilen, oder Symptome, die man nicht erklären kann, sind Anlass für eine Abklärung. Ein gut verträgliches Mittel ist kein Grund, damit zu warten – und ein bestehender Therapieplan gehört nicht ohne ärztliche Rücksprache verändert.
Häufige Fragen
Sind Schüßler-Salze Homöopathie?
Nicht im engeren Sinne, auch wenn sie homöopathisch aufbereitet werden. Die klassische Homöopathie wählt Mittel nach dem Ähnlichkeitsprinzip individuell aus. Schüßler ordnete stattdessen zwölf Mineralsalzen feste Funktionen im Zellstoffwechsel zu. Das ist ein anderes Denkmodell mit derselben Herstellungstechnik.
Wie werden Schüßler-Salze richtig eingenommen und dosiert?
Üblich sind Tabletten, die einzeln im Mund zergehen sollen, über den Tag verteilt. Verbreitete Angaben liegen bei ein bis drei Tabletten mehrmals täglich, bei akuten Anlässen in kürzeren Abständen. Diese Angaben stammen aus der Anwendungsliteratur und von den Herstellern, nicht aus Dosisfindungsstudien.
Ersetzen Schüßler-Salze eine Mineralstoffzufuhr?
Nein. Die üblichen Potenzierungen bedeuten, dass pro Tablette nur Spuren des Salzes enthalten sind – weit unterhalb dessen, was ernährungsphysiologisch relevant wäre. Wer einen nachgewiesenen Mangel hat, braucht eine entsprechend dosierte Zufuhr, keine Potenz.
Können verschiedene Schüßler-Salze kombiniert werden?
In der Anwendungsliteratur ist das die Regel, meist werden zwei bis vier Nummern gleichzeitig genannt. Die Zusammenstellungen stammen aus der Tradition, nicht aus Vergleichsstudien. Eine obere Grenze für die Zahl kombinierter Mittel gibt es dort nicht, wohl aber eine praktische über die Tablettenzahl und den enthaltenen Milchzucker.
Kann man Schüßler-Salze in der Schwangerschaft einnehmen?
Sie gelten wegen der starken Verdünnung als risikoarm, systematisch untersucht ist die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit jedoch nicht. Beschwerden in dieser Zeit gehören ärztlich oder hebammlich begleitet, und ein gut verträgliches Mittel ist kein Grund, damit zu warten.
Gibt es Nebenwirkungen bei Schüßler-Salzen?
Aus der Verdünnung selbst sind keine zu erwarten. Relevant sind die Hilfsstoffe: Die Tabletten enthalten in der Regel Milchzucker, was bei Laktoseintoleranz und bei hoher täglicher Tablettenzahl eine Rolle spielt. Salben können Konservierungs- und Duftstoffe enthalten.
Quellen
- Arzneimittelgesetz: Registrierung homöopathischer Arzneimittel
- Fachinformationen der Hersteller (Zusammensetzung, Potenzierung, Hilfsstoffe)
- Verbraucherzentrale: Einordnung von Mineralstoff- und Potenzpräparaten
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Registrierungsverfahren für Homöopathika
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