Spagyrik: Verfahren, Mischungen, Hersteller
Spagyrik bezeichnet kein Mittel, sondern ein Herstellungsverfahren mit alchemistischer Begründung: Pflanzenmaterial wird vergoren, destilliert und veraschet, und die Fraktionen werden wieder zusammengeführt. Die Mittel sind in Apotheken verfügbar, das Verfahren ist historisch interessant und pharmakologisch nicht belegt.
Ein Verfahren aus der Alchemie
Der Begriff geht auf Paracelsus zurück und verbindet die griechischen Wörter für „trennen” und „zusammenfügen”. Genau das beschreibt das Prinzip: Das Pflanzenmaterial wird in Bestandteile zerlegt – klassisch durch Gärung, Destillation und Verbrennung des Rückstands – und die gewonnenen Fraktionen werden anschließend wieder vereinigt. Die Idee dahinter ist, dass dabei etwas freigelegt wird, das im ganzen Pflanzenmaterial gebunden bleibt.
Verschiedene Hersteller verwenden unterschiedliche Verfahrensvarianten, die auf ihre jeweiligen Gründer zurückgehen. Es gibt also keine einheitliche Spagyrik, sondern mehrere Schulen mit eigenen Herstellungsvorschriften.
Was sich dazu sagen lässt
Die Verfahrensschritte sind reale chemische Prozesse und verändern das Ausgangsmaterial nachweislich. Was sich nicht belegen lässt, ist die daraus abgeleitete Behauptung: dass die so gewonnene Zubereitung eine therapeutische Qualität besitzt, die ein konventioneller Extrakt nicht hätte.
Klinische Studien zu spagyrischen Mitteln liegen praktisch nicht vor. Rechtlich sind sie in Deutschland meist als homöopathische Arzneimittel registriert, teilweise dem Bereich der besonderen Therapierichtungen zugeordnet – in beiden Fällen ohne erforderlichen Wirksamkeitsnachweis.
Zum Einordnen: Spagyrik ist von allen hier beschriebenen Bereichen derjenige mit der geringsten Studienbasis. Das heißt nicht, dass die Mittel gefährlich sind – sie gelten als gut verträglich. Es heißt, dass über eine Wirkung nichts Belastbares bekannt ist.
Praktische Punkte
- Alkoholgehalt. Sprays und Tropfen sind meist alkoholisch. Relevant bei Kindern und in der Schwangerschaft.
- Mischungen. Fertigmischungen enthalten oft viele Einzelessenzen, was eine Beurteilung einzelner Bestandteile unmöglich macht.
- Apothekenbezug. Viele Mittel werden über Apotheken vertrieben und dort auch individuell gemischt. Das ist ein Qualitätsvorteil bei der Herstellung, kein Wirksamkeitshinweis.
Häufige Fragen
Was unterscheidet Spagyrik von einem normalen Pflanzenextrakt?
Der Herstellungsweg. Ein Extrakt zieht Inhaltsstoffe mit einem Lösungsmittel heraus. Spagyrische Verfahren zerlegen das Pflanzenmaterial durch Gärung, Destillation und Verbrennung und führen die Teile wieder zusammen. Die Begründung dafür ist philosophisch, nicht pharmakologisch.
Ist Spagyrik dasselbe wie Homöopathie?
Nein. Die Verfahren sind verschieden, auch wenn spagyrische Mittel teilweise potenziert werden und rechtlich als homöopathische Arzneimittel registriert sein können. Spagyrik ist ein Herstellungsprinzip, Homöopathie ein Auswahl- und Verdünnungsprinzip.
Wie werden spagyrische Mittel angewendet?
Meist als Sprays oder Tropfen, häufig in Mischungen aus mehreren Essenzen. Die Zusammenstellungen und Dosierungsangaben stammen von den Herstellern und aus der Anwendungsliteratur; verbindliche Vorgaben aus klinischen Studien gibt es nicht.
Quellen
- Arzneimittelgesetz: Registrierung homöopathischer und anthroposophischer Arzneimittel
- Herstellerangaben zu spagyrischen Verfahren und Zusammensetzungen
- Pharmaziehistorische Literatur zur Spagyrik
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